Donnerstag, 8. Januar 2009

Cätcanada Kulturnachrichten

Da es derzeit nur wenige aktuelle News von mir persönlich gibt und ich keine weiteren Blogeinträge über Winter, Schnee, Kälte und eingefrorene Gliedmaßen, Schals, Haare und Rucksäcke schreiben will, widmet sich dieser Artikel der Kulturszene Winnipegs, genauer gesagt, der Musik und dem Film.
Wie ich bereits in einem älteren Eintrag beschrieben habe, gibt es in dieser doch recht kleinen Großstadt mitten im Nirgendwo eine Vielzahl an Künstlern aller Art. Der kanadische Filmemacher Deco Dawson erklärte dieses Phänomen, wie sollte es auch anders sein, mit dem hiesigen Wetter (, womit wir schon wieder bei diesem Thema wären....). Die eisigen Temperaturen begünstigen das Fokussieren auf die kreative Arbeit zuhause, denn wer will schon bei windchilligen -30 Grad nachts an der Ecke Portage und Main (, übrigens die windigste Ecke Nordamerikas) rumstehen und nach Unterhaltung suchen?
Das Ergebnis dieser vielen zuhause verbrachten Abende bekam ich heute Abend in einer zweieinhalbstündigen, kostenlosen Show des Manitoba Film and Music Boards in der Winnipeg Centennial Concert Hall geliefert. Zusammen mit Clara sah ich mir einen Querschnitt der Musik- und Filmszene Manitobas an. Das Line-Up der Veranstaltung umfasste etwa 10-12 Bands und mindestens 4 Filmemacher (darunter Guy Maddin, der u.a. denselben Preis wie Francis Ford Coppola für sein Lebenswerk erhielt und den tollen Film My Winnipeg produzierte).

Viele der Acts gefielen mir richtig gut und natürlich googelte ich sie alle, als ich dann wieder zuhause war.
Eine kleine kulturell wirklich hochwertige Auswahl habe ich euch im Folgenden zusammengestellt. Leider konnte ich wirklich coole Kurzfilme, wie der beim Internationalen Filmfest in Toronto gezeigte Film Cattle Call nicht finden.

Das folgende Video stammt aus der "Feder" von bereits oben erwähntem Deco Dawson. Der Drummer im Video ist ein Mitglied der Gruppe Inward Eye aus Winnipeg und ich finde, er ist..... völlig.....fantastisch!!!



Einen kleinen musikalischen Leckerbissen gab es gleich zu Beginn mit dem Winnipegger Gitarrenduo Twilight Hotel, die ihre erste Singleauskopplung Viva la Vinyl zum Besten gaben. Hier das dazugehörige offizielle Video. Ich finde, es rockt gewaltig!



Winnipeg, so wie ich es kennengelernt habe, ist wesentlich stärker religiös/ christlich orientiert als ich dachte. Die meisten Winnipegger, die ich bislang kennenlernte, gehen mindestens einmal die Woche in den Gottesdienst und mir wurde erzählt, dass es viele sehr sehr gute Rockbands gäbe, die als Kirchenrockgruppe angefangen haben.
Mein erstes Beispiel für eine solche Gruppe ist die Formation Comeback Kid, die heute Abend mit ihrem Song Wake the Dead in der Show vertreten waren. Das Witzige an diesem Video: Der Typ mit der Zombiemaske läuft durch die Straßen Winnipegs und streunert u.a. auch in meiner unmittelbaren Nachbarschaft herum (, was Außenstehende wohl nicht unbedingt erkennen können...)
Kleine Warnung: die Musikrichtung mag nicht Jedermanns Sache sein.



Die nächste Gruppe, die als christliche Formation zumindest angefangen hat, ist die Gruppe um den Winnipegger Rapper Fresh I.E. (origineller Name übrigens...für einen Rapper). Es handelt sich um eine relativ große Truppe zumeist wirklich fetter afro-amerikanischer Männer mit dicken Ketten und Baseballshirts. Der wohl bekannteste und kritischste Beitrag dieser Band oder zumindest des Frontmannes ist der Song zur Adapt-Campaign in Canada. In dieser Anti-Drogen-Kampagne geht es um die Gefahren von Crystal Meth, einer außerordentlich populären Droge in Kanada und den USA. Wie es mit der Verbreitung in Europa aussieht, weiß ich nicht, aber mir war der Begriff Crystal Meth nicht unbekannt. Hier also das Video zur Kampagne. Soweit ich weiß, wurde es in Winnipeg gedreht.
Und wieder eine Warnung: Das Video ist schon recht drastisch und brutal. Wer etwas zart besaitet ist, sollte es nicht anschauen.



So, genug der lauten und kritischen Töne. Natürlich gab es auch die altbewährte Mischung aus Country und Singer/Songwriter-Sachen. Besonders bemerkenswert war für mich auch die Sängerin Heather Bishop, die mit ihren wohl schon fast 60 Jahren unglaubliche Bühnenpräsenz hatte. Sie und ihre nicht viel jüngeren Co-Musiker haben den Saal mit energiereichen Funk-Gitarren (und ohne Drumset) gewaltig zum Wackeln gebracht.

Zu guter Letzt möchte ich euch noch mit dem offiziellen Trailer des Experimental-Dokumentarfilms My Winnipeg von Guy Maddin locken. Der Film ist anders, tragisch, witzig, ein großer Haufen verdammt guter Lügen, ein postmodernes Feuerwerk. Ich werde ihn mir vor Abreise als kleines Andenken kaufen. Wer Lust auf einen experimentellen Videoabend hat, ist herzlich eingeladen...



PS: Erinnert mich daran, dass ich euch bald eine kleine Liste aller Filme zusammenstelle, die in Winnipeg gedreht wurden (darunter bspw. auch Shall We Dance (auf deutsch "Darf ich bitten?" mit Richard Gere und Jennifer Lopez).

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