Dienstag, 16. Dezember 2008

Back in the 'Peg....

Zurück aus Vancouver, um genau zu sein... Schön wars, wirklich!
Alleine der Flug über die Rocky Mountains, die stellenweise über die dicke Wolkendecke ragten, war die Reise wert. Als meine Reisebegleiterin Clara und ich dann am Montag Vormittag in der von vielen Menschen als "schönsten kanadischen Stadt" gepriesenen Metropole an der Westküste im Bundesstaat British Columbia ankamen, sah das Wetter etwa so aus:
Zwar war es für uns kältegeplagte Winnipegger richtig warm (ca. plus 5 Grad), dafür war die Luft aber ungewohnt feucht, schwer und neblig. Für einen ersten Spaziergang am Hafen mit wunderbarem Blick auf Downtown Vancouver hat es trotzdem gereicht. Man beachte, wie federleicht die Hochhäuser durch das viele Fensterglas aussehen. Das ist eine der Bauvorschriften für die Downtown Apartmentblocks.

Natürlich wirken die vielen hell erleuchteten Fenster auch bei Nacht, wie man hier schön sehen kann. Das Bild entstand auf dem Nachhauseweg von einer der größeren Einkaufsstraßen (Granville Street). Die Hochhäuser gehören zu Downtown Vancouver, wo sich auch unser Youth Hostel befand. Das war übrigens sehr sauber, die Duschen luxuriös und das Frühstück völlig in Ordnung. Der einzige Haken war der Nachtclub direkt unter dem Hostel, gegen das Hämmern der vielen Bässe bei schlechter Musik halfen auch die Ohrenstöpsel nicht viel. Aber man gewöhnte sich dran.

Nach einem klatschnassen Regentag waren wir an unserem letzten Reisetag wirklich unglaublich froh, als die Sonne durch die Wolken spitzelte. Das obige Bild zeigt einen der vielen Strände von Downtown Vancouver. Diese Strände führen fast komplett um die Innenstadthalbinsel herum und man kann sie auf dem Seasidewalk ablaufen. Das haben wir dann auch gemacht. Im Westen der Insel befindet sich der große Stanley Park, ein Regenwaldgebiet mit Wanderwegen, durch den wir anschließend zurück zum Youth Hostel marschierten. Im Hintergrund des Bildes übrigens die tolle Kulisse der verschneiten Rocky Mountains.

Natürlich ist Weihnachtskitsch nicht nur in den USA der große Renner. Auch die Kanadier zeigen hier erstaunlich wenig Geschmack.... Das obige Bild zeigt nicht etwa ein größeres Geschäft oder ein verrücktes Bürogebäude...Nein! Ob ihrs glaubt oder nicht: es ist eine Kirche. Kein Witz! Und ehrlich gesagt will ich nicht wissen, wie es drinnen aussieht...

Nach all dem Beleuchtungsschock und der kilometerlangen Wanderei gönnten wir uns am letzten Tag ein typisch nordamerikanisches Mittagessen. Ort unserer Wahl war ein wirklich sehr kitschiges Restaurant, das man ohne weiteren Umbau als Filmkulisse für schlechte amerikanische Roadmovies hätte verwenden können: rote Kunstlederbänke, schwarze und weiße Kacheln, jede Menge Spiegel und die typischen Essnischen mit hellblaugrauer Tischplatte und karierten Servietten und jeder Menge Ketchup. Meine grandiose Wahl: ein Chiliburger mit French Fries, von dem ich noch am Tag danach zehrte. Meine Güte, war das Ding ein Genuss!!! (Obwohl ich es mit Messer und Gabel essen musste....hätte sonst nicht in meinen Mund gepasst!)

Tagesausflüge

a) Vancouver Island:

Wenn man im Dezember nach Vancouver Island fahren möchte, hat man Glück: die Preise für die Überfahrt werden um 30% gesenkt. Natürlich haben wir uns sofort entschieden, der kleinen Insel vor Vancouver einen Besuch abzustatten. Allerdings betrug die reine Reisezeit fast 4 Stunden (einfach, versteht sich!): 2 Stadtbusse, eine langsame Fähre, ein weiterer langsamer Bus und endlich standen wir in Victoria, der Hauptstadt von British Columbia.
Die Überfahrt war trotzdem schön, da das Wetter richtig gut war und wir ne Menge kleiner Inselchen und auch jede Menge kleine Orte auf Vancouver Island sehen konnten. Hier ein paar Impressionen:


Thema geschmackvolle Weihnachtsdekoration am Beispiel des Parlaments in Victoria:


Ganz toll: Christmas Village in Victoria. Der Slogan: We bring the German Christmas to you!
Funktioniert bestens: mit viel Kitsch, Hummelfiguren und deutscher Volksmusik aus alten Boxen (ich glaube die Kastelruter Spatzen identifiziert zu haben). Ich bin wirklich sehr froh, dass hier mit Klischees gearbeitet wurde und ich niemanden in Deutschland kenne, der seine Bude an Weihnachten ernsthaft SO dekoriert. Aber lustig wars!


b) Seattle

Kurz vor der Grenze zu den USA (zum Bundesstaat Washington) steht dieses Monument, das daran erinnern soll, dass Kanadier und Amerikaner schließlich Brüder sind und nie wieder einen Krieg gegeneinander führen wollen oder sollen. Die Größe (oder Kleine) des Monuments spricht allerdings auch wieder für sich, wenn ihr versteht was ich meine.
Am Grenzübergang gab es keine größeren Probleme. Die üblichen Fragen nach unserer Herkunft, was wir denn in Kanada zu suchen haben, woher wir unsere kanadische Fahrerin kennen und was wir in Seattle machen wollen, konnten wir mit einem allzeit freundlichen Lächeln beantworten, im Immigration Office wurden dann Bilder von uns gemacht, alle Gespräche natürlich aufgezeichnet, dann mussten wir eine grüne Karte ausfüllen und versichern, dass wir nichts schmuggeln, keine Verbrecher sind und keine Krankheiten haben und dank des freundlichen Grenzpolizisten waren wir in 15 Minuten mit allem durch und konnten unbehelligt nach Seattle weiterfahren.


Das wohl bekannteste Gebäude Seattles ist die Space Needle, eine Aussichtsplattform auf dem Campus des Seattle Centres, für die man natürlich ungerechtfertigt viel Kohle hinblättern muss. Wir sind wegen des Nebels und der miserablen Sicht erst gar nicht hochgefahren. Natürlich regnete es, die Stadt trägt nicht umsonst den Namen Rain City (oder Emerald City - Smaragdstadt, wegen der vielen Bäume). Auf besagtem Seattle Campus finden sich jede Menge Museen, so auch das im Vordergrund der Space Needle zu sehende Rock 'n Roll Museum.

Direkt an das Rock 'n Roll Museum schließt sich das Science Fiction Museum mit seiner interessanten Fassade und Bauweise an. Das Bild fand ich vor allem wegen der vielen verrückten Farben so nett:


Ein weiterer Anziehungspunkt der Stadt ist der sog. Pike Market unweit des Zentrums. Neben den vielen Obst-, Gemüse- und Kunsthändlern findet man auch diverse wirklich abgefahrene Geschäfte wie diesen Milchprodukteladen:

Oder auch diese Metzgerei, die sich auf Würstchen aus aller Welt spezialisiert hat. Die Form bedarf allerdings noch einiger Verbesserung, wie ich finde:


Interessant war auch der Fischstand, der dafür berühmt ist, dass der Fisch erst über die Theke geworfen wird, dann filetiert und verkauft wird. Als wir harmloserweise fragten, wann der nächste Fisch geworfen werden würde, wurden wir natürlich direkt in die Wurflinie gestellt und mussten zitternd bangen, dass uns der kiloschwere Lachs oder die stachelige Riesenkrabbe nicht an den Kopf klatschte. Natürlich ist nichts dergleichen passiert. :-D

Achja: in Seattle öffnete 1912 (glaub ich jedenfalls) das erste Starbucks Café Amerikas seine Pforten. Den Laden gibt es natürlich noch, allerdings ohne Sitzmöglichkeiten. Dafür weiß ich nun, was das merkwürdige Starbucks Wappen zu bedeuten hat.


Kuriosität auf der Rückreise: was aussieht wie ein Ufo ist leider die Lichtverschmutzung von Seattle, fotografiert von der Autobahn aus....

Alles in allem ein wirklich toller Kurzurlaub mit vielen neuen Eindrücken. Vancouver ist im Vergleich zu Winnipeg sehr sehr lebhaft und urban, wenn mir auch das trocken-sonnige Klima Winnipegs wesentlich besser gefällt. Auch wenn es hier derzeit inklusive Windchill fast -40 Grad werden können. Aber dazu demnächst mehr!

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