Ich bin ein Wintermensch, denke ich. Dachte ich. Dachte ich eigentlich jeden Sommer, wenn die schwüle Hitze wie eine bleierne Decke über Trier hing und mein Kopf sich anfühlte, als habe man ihn in eine Schraubzwinge gesteckt. Ich dachte, dass es sicher cool sein müsse, mal einen ordentlich kalten Winter zu erleben, z.B. in Winnipeg, wo der Winter länger dauert als der Sommer.
Ich denke auch jetzt noch, dass ich Winter mag. Allerdings, und das fällt dann auch wieder unter die Rubrik der "heilsamen Auslandserfahrungen", weiß ich nun auch, dass ein Winter, der länger als 4 Monate dauert, auch für meine Nerven, meinen Körper und mein Gemüt nicht besonders vorteilhaft ist.
Seit Anfang November liegt hier Schnee. Pulverschnee, um genau zu sein. Es ist zu kalt für flauschige dicke Schneeflocken. Eine Stadt überzogen mit Puderzucker, der wegen der vielen Autos natürlich schnell zu einer undefinierbaren braunen und manchmal gar tiefschwarzen klumpigen Masse wird. Tonnen von Sand und Minikieseln werden verstreut, da es zu kalt für Streusalz ist. Das Streusalz kommt dann so ab -10 Grad zum Einsatz und sorgte schon mehrfach dafür, dass meine Schuhe bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurden.
Unter den seit November gefallenen 7-9 Lagen Schnee befindet sich eine ca. 2 cm dicke Eisschicht. An manchen Tagen ist es so "warm" (also ca. -3 bis +1 Grad), dass eine Menge Schnee wegschmilzt und man wegen der Eisdecke eigentlich überhaupt nicht mehr draußen umherlaufen kann, schon gar nicht, wenn man schwere Einkaufstüten oder sonstiges trägt. An solchen warmen Tagen ist der Himmel grau und tief und natürlich sehnt man sich nach dem häufigen Sonnenschein zurück, wohlwissend, dass es dann temperaturmäßig wieder auf -20 Grad runtergehen wird. So wie heute, nachdem der Donnerstag mit +2 Grad und Regen fast schon eine Sensation war - bis ca. abends um 20 Uhr, als Schneeflocken so groß wie meine Handfläche vom Himmel fielen und den schwarzen Schnee wieder weiß machten.
Ich wundere mich natürlich, wie die Welt unterhalb dieser penetranten Winterschicht aussehen wird. Vermutlich braun und sehr sehr matschig. Und obwohl ich den Schnee wirklich gerne komplett los wäre, wünsche ich mir den Prozess der Schneeschmelze und die Wassermassen auf allen Straßen wirklich nicht herbei.
Was nach dem Schnee und Wasser übrig bleiben wird, ist eine ganze Menge Staub und Sand, der vormals auf dem Schnee lag. Irgendwo muss der ja auch hin. Gott sei Dank gibt es den Wind, der den Staub wahrscheinlich recht schnell von den Straßen wehen wird. Falls es denn mal wieder irgendwann Frühjahr oder gar Sommer werden wird.
Ich will nicht motzen oder jammern. Aber zugegeben: es fällt schwer, keinen Schneekoller zu bekommen, weiterhin jeden Morgen Leggins oder Wollstrumpfhosen unter die Jeans zu ziehen, die hohen Stiefel zu schnüren, Unterhemden und Pullover anzuziehen, im Bus zu schwitzen und sich konstant unbeweglich zu fühlen. Seit vier Monaten schon.... und langsam aber sicher reicht es!
Noch kann ich es mit einem Lächeln im Gesicht sagen und meine Lamentierereien als Kinderkram beiseite schieben. Ich weiß ja, dass ich so richtig lange nicht mehr hier sein werde. Vielleicht sehe ich ja noch die Anfänge eines Frühlings, wer weiß.
Samstag, 7. März 2009
A neverending story....
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