Montag, 16. März 2009

Verkettungen and other random things

Random, das ist hier unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen DAS Wort. Eingesetzt wird es im Grunde für alles, was wahllos, diffus, irgendwie halt und vor allem mal nicht einheitlich zusammenfassbar ist. "Pretty much random" ist daher ein viel gehörter Spruch, der alles und nichts ausdrücken kann und wohl auch soll. Irgendwie so halt, ne? (Wäre meine Übersetzung dafür...).
Mein heutiger Eintrag ist wohl auch pretty much random, widmet er sich doch gleichzeitig einer Vielzahl an Dingen, die mir hier immer wieder auffallen und die ich erwähnenswert finde: Kanada kulturell - Auf gehts!

  • Verkettungen: In Winnipeg geht man essen. Viel. Weils so günstig ist (, zum Vergleich: was wir in Deutschland in Euro zahlen würden, zahlt man hier in Dollar!). Und weil es verdammt viele Restaurants gibt. Dazu zählen hier in der Stadt Läden wie das Mondragón, wo es vegane Spezialitäten und linke Ideologien gibt oder das Line-Up, das Buccacino's oder das One Night in Bankok. Allerdings, und das fand ich dann doch gravierend anders als in Deutschland, gibt es hier eine große Menge an Restaurantketten, so z.B. Earl's, Tony Roma's, Red Lobster, Salisbury House, Tavern United, Pony Corral, The Pancake House usw. Diese Restaurants sehen natürlich alle einheitlich aus und dürfen trotz ihrer "Verkettung" nicht als bloße Fast-Food Schuppen abgestempelt werden. Etwas edler sind sie schon, das muss man zugeben. Manche Restaurantketten gehen allerdings in ihrer ganzen Konzeptverliebtheit auch so weit, dass die Bedienungen auch einheitlich aussehen müssen: klein, spindeldürr, langes, möglichst glattes Haar und viel zu viel Make-up, dazu Hotpants und ein verdammt enges Oberteil. Hier wird dann wohl entgegen der nordamerikanischen Sitte auch ein Passfoto in der Bewerbung verlangt.
  • Busfahren: mein ganz persönlicher Dauerbrenner ist und bleibt der Öffentliche Personennahverkehr in dieser Stadt. Dank des Winters sind die Stadtbusse eine große Matschpfütze und sollte man mal etwas fallenlassen, braucht man sich gar nicht zu bemühen das Fallengelassene wieder aufzuheben, da es hoffnungslos dreckig, matschig und müffelig ist. Passierte mir einige Male mit Handschuhen, was wirklich ärgerlich ist, wenn außerhalb des Busses -30 Grad und Windchill herrschen. Vor einigen Monaten gab es allerdings eine sehr posititive Geste von Winnipeg Transit: Man installierte nach und nach endlich mal automatische Ansagen für die geschätzten 2 Millionen Haltestellen in der Stadt, leider erst zu einem Zeitpunkt, an dem ich mich schon komplett auf ansagefreie Busse und meinen eigenen Orientierungssinn verlassen habe und die Strecken sowieso schon kannte. Aber besser spät als nie, oder? :-)
  • Wasser: Es taut mächtig in Winnipeg. Und mit "mächtig" meine ich "MÄCHTIG". Die Straße vor unserem Haus ist, wie viele andere Straßen auch, unter Wassermassen verschwunden und ich frage mich, wo all der geschmolzene Schnee hinverlaufen soll. Denn: der Boden wird natürlich noch lange zugefroren bleiben und dank der zumeist unebenen Straßen erreicht das Wasser die paar Gullideckel, die es hier gibt, eigentlich gar nicht. Hauptsache, es läuft uns nicht in den Keller, denn sonst müsste ich für meine letzten Wochen noch ins Wohnzimmer umsiedeln. Aber auch das nimmt man für +7 Grad gerne in Kauf! Alles ist derzeit besser als Schnee!!!
  • Sprachverwirrungen: Ja, sie schlagen immer häufiger zu. Vor allem beim normalen Reden mit daheimgebliebenen Freunden oder der Familie. Wenn ich mit meiner deutschen Mitbewohnerin rede, fallen uns falsche deutsche Vokabeln oder wörtlich übersetzte Redewendungen eigentlich nie auf. Aber in Telefonaten mit der Heimat sorgen dann manchmal Konstruktionen wie Personalität (statt Persönlichkeit) oder Repariermann (statt Handwerker) für heitere Momente am anderen Ende der Leitung. Was mich persönlich am meisten fuchst, ist die Tatsache, dass ich langsam aber sicher die deutschen Präpositionen verliere, bzw. sie durch englische Präpositionen ersetze, von denen ich weiß, dass sie sowohl im Deutschen als auch im Englischen absolut keinen Sinn machen. Mal ganz zu schweigen von den vielen Momenten, in denen ich mir das Hirn zermarterte, weil mir das richtige deutsche Wort nicht einfiel und ich somit in einer Mischung aus englisch und deutsch vor mich hinbrabbelte und natürlich prompt der Arroganz bezichtigt wurde. Sollte mir das also in der Übergangsphase zwischen Deutschland und Kanada öfters mal passieren, habt bitte Nachsicht. Interferences sind wirklich nicht besonders cool und ich mache das nicht mit Absicht!
  • About, house, out und eh: Da wir ja schonmal beim Thema Sprache sind, greife ich noch ein paar süße Eigenheiten des kanadischen Englisch auf: hier in Winnipeg wird about sicher nicht aboot ausgesprochen, wie man gerne generell für Kanada annimmt. Allerdings, und da ähneln sich about und house, spricht man es nicht wie "ebaut" (denkt euch das e um 180 Grad gekippt), sondern wie "ebeout" aus, also meiner Meinung nach dem Britischen etwas stärker ähnelnd (, wobei ich mich da gerne korrigieren lasse). Ich habs mir jedenfalls genauso angewöhnt wie das eh nach fast jedem Satz und oute mich daher recht schnell als jemand, der mal eine Weile in Kanada gelebt hat. Witze auf meine Kosten werden sicher noch genügend gemacht, wenn ich mal hier und da aus Versehen ein eh hinter einen deutschen Satz klemme. Achja: Stellt euch mal einen Kanadier vor, der das Wort outhouse ausspricht. Viel Vergnügen!
PS: Ich hoffe, ich kann euch bald wieder mit ein paar Fotos versorgen. Ich muss mir eine Digitalkamera leihen, da meine Kamera zur Reparatur muss...

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

ich amüsiere meine mitmenschen häufiger mal mit sätzen wie "wir rennen aus an apfelsaft", aber wenigstens fällt mir kurz danach auf, dass das jetzt seltsam war :D

selina