Die Selbsterkenntnis der letzten Tage oder Wochen beinhaltet beispielsweise, auch mal guten Gewissens mit einer wirklichen "Leck-mich-....."- Einstellung durchs Leben oder durch den Tag gehen zu können oder keine Blogeinträge zu verfassen, wenn man sehr müde und aus unerklärlichen Gründen grantig ist, so wie gestern. Außerdem ist mir hier seit meiner Ankunft vor allem eine Sache sehr klar geworden: Wir Ausländer, sodenn wir der englischen Sprache schon bei unserer Einreise halbwegs mächtig sind, haben nach einer Weile ein wesentlich saubereres Englisch als die meisten Einheimischen hier. Mit "sauber" meine ich nicht akzentfrei, vielmehr geht es mir um die Art des Vokabulars und die Fähigkeit des Satzbaus. Mal von etwaigen Verwirrungen bezüglich der Tenses (=Zeiten) im Englischen abgesehen, sind die meisten Ausländer, die ich hier kennengelernt habe, durchaus fähig, einen englischen Satz zuende zu bringen, ohne etwa 30 Mal die Worte "like", "kinda like" oder "sort of" zu verwenden. Allerdings sollte man bei all der Anpassungswut und dem Eifer, die Fremdsprache möglichst natürlich zu verwenden, aufpassen, dass man am Ende nicht doch irgendwann ein Gespräch der folgenden Art führt:
Girl #1: I like, really wanted fries.
Girl #2: Like, why didn't you eat them, then?
Girl #1: Well, my roommate, she has these, like, sweet potatoes? And she wanted to make fries with them?
Girl #2: What? What are those?
Girl #1: They're like potatoes that are sweet. Only, like, they're like ... vegetables. You know?
Girl #2: Totally.
Das Gespräch fand hier in Winnipeg statt, in einem Bus der Linie 60 von der Uni in Richtung Downtown. Diese Linie benutze ich täglich und obwohl ich dieses Gespräch nur von einer Internetseite (entweder overheardwinnipeg oder weirdosofwinnipeg) kopiert habe, war ich doch schon mehr als einmal Zeuge einer sehr ähnlichen Konversation.
Für alle Mitleser dieses Blogs, deren Englisch etwas eingerostet ist, versuche ich diesen hochintellektuellen Erguss in deutliche deutsche Worte zu fassen:
Tussi 1: Echt jetzt, ich wollt echt so Pommes und so.
Tussi 2: Jetzt echt, wieso haste sie dann nicht gegessen und so?
Tussi 1: Ja, also meine Mitbewohnerin, weißte so, die hatte diese, so, weißte, die Süßkartoffeln und so?
Tussi 2: Was? Wasn das fürn Scheiß?
Tussi 1: Ja, weißte, die sind so wie Kartoffeln, so, nur halt süß und so, weißte?
Tussi 2: Krass, ja.
(Fragt mich bitte nicht, wieso sich der Zeilenabstand jetzt plötzlich verdoppelt hat...ich kann es jedenfalls nicht mehr umstellen..)
Umso angenehmer sind dann natürlich die Begegnungen mit älteren Menschen, da man bei diesen doch davon ausgehen kann, dass sie unter Umständen schon einmal außerhalb ihres Staates und hoffentlich auch außerhalb des nordamerikanischen Kontinents Urlaub gemacht haben. Hier in Winnipeg kann man außerdem immer darauf spekulieren, Einwanderer zu treffen.
So z.B. die ältere Dame, die meine französische Freundin Clara neulich bei einem gemeinsamen Kinobesuch im Rahmen des französischen Filmfestivals ansprach. Es stellte sich heraus, dass die Dame (, deren Namen ich dummerweise vergessen habe,) Clara von der Uni kannte, wo sie im French Department ihre Doktorarbeit schreibt (; die Dame ist ca. 65...) Sie kam vor mehr als 30 Jahren der Liebe wegen aus Frankreich nach Winnipeg. Als sie hörte, dass ich aus Deutschland komme, wandte sie sich zu mir und redete in fast akzentfreiem Deutsch mit mir und entschuldigte sich zehn Mal, dass ihr Vokabular ja so schlecht sei und dass sie vor ihrer Zeit in Kanada ja nur ein paar Monate in Deutschland verbracht habe. Meine totale Verblüffung angesichts ihrer tollen Sprachkenntnis hat sie dabei wohl nicht bemerkt. Wir unterhielten uns also auch noch nach dem Film in einer Mischung aus Deutsch, Englisch und Französisch und ihr kanadischer Bekannter, mit dem sie im Kino war, fuhr Clara und mich anschließend zurück nach Osborne Village.
Ein weiteres Beispiel für eine nette Zeit mit völlig fremden Menschen ist der heutige Abend. Meine Mitbewohnerin Manuela arbeitet bei L'Arche Winnipeg, einer Organisation für Behindertenbetreuung, bei der geistig behinderte Menschen mit ihren Betreuern unter einem Dach in einer Art WG zusammenleben. Da Manuela die Leiterin ihres Hauses ist, darf sie außerhalb von L'Arche leben, verbringt aber trotzdem die meiste Zeit auf Arbeit. L'Arche Winnipeg möchte nun ein Café eröffnen, in dem die behinderten Mitbewohner kellnern. Heute war der erste Probelauf und zusammen mit den beiden frz. Assistentinnen bin ich deswegen den weiten Weg in den Nordosten Winnipegs gefahren (ca. 55 Minuten mit dem Bus), um im Café lecker zu essen und das Projekt zu unterstützen. Wir saßen mit einem älteren Ehepaar aus Winnipeg am Tisch und unterhielten uns neben dem unausweichlichen Gespräch über die Härte des Winters kreuz und quer über Kanada, Europa, Mutter Theresa und Brot und erfuhren, dass Mark und Irene (so hieß das Ehepaar) einige Jahre in der Südsee lebten, weil Irene für den Bacardi-Konzern gearbeitet hat. Natürlich bestand Mark darauf, uns zurück nach Osborne zu fahren und setzte uns ausgestattet mit einigen Adressen guter europäischer Bäckereien gesund und munter vor der Haustür ab.
Ich tendiere dazu, mich wirklich über die generelle Oberflächlichkeit der Bevölkerung hier aufzuregen, aber an manchen Tagen und speziell bei Anlässen, bei denen man weiß, dass man sich nie wieder sehen wird, ist es wirklich schön, sich so schnell so ungezwungen unterhalten zu können. An das permanente "good-to-see-you" und das allgegenwärtige "Oh! How-wonderful-is-that" oder "you-look-sooooooo-great" werde ich mich wohl trotzdem nicht mehr gewöhnen.
PS: Temperatur am 20.November 2008 in Winnipeg, Ortszeit 22 Uhr: -23 Grad (mit Windchill), -18 Grad (ohne Windchill)
6 Kommentare:
We, like, totally spoke about, like, people, like totally using like, like, all the time! And I think that, you know, like, sort of, it never gets any, like, you know, better...
Be, like, strong! ;)
You gotta like like. It's, like, totally cool, you know. Like you can sort of use it, like, everywhere you like, like right here, you see? I totally like like, like totally! Everyone who doesn't, like, like like, should totally go, like, away! You know? Totally!
*knuddelgruß*
Ohhhhhhhh Süße!!!!!!!!!!! Isses so kalt bei dir ? Ich frier mir hier schon den Arsch ab! ICH HASSE DEN WINTER! (und hoffe insgeheim, dass du den deutschen Sommer liebst, weil wir dann wieder grillen können, weißte? So einfach Dingensbumensda? hihihi.)
argh und wieder falsch getippt, ich bin's
und ich liiiiiiiiiiebe dein neues Foto hier ! Osama Style!
Konkrass, Mann, ey, lass ma grillen im Somma, weißte, so richtig voll und so Sonne und so, ey, kommt dann so echt voll genial so wenn ich dann so voll und so sechs Monate scheißkalt und so hinter mir hab....
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