Mittwoch, 19. November 2008

November Blues

Die Tage werden kurz, sehr kurz. Der Wind trägt ab und zu neue kleine Schneeschauer an die Stadt heran. Bisher blieben die Straßen allerdings von Neuschnee verschont und der erste Schnee, der vor einigen Wochen fiel, klebt in dicken Eisklumpen auf den Wiesen und an den Zäunen. Auch die Sonne kann sich momentan nicht wirklich entscheiden, ob sie nun aus voller Winterkraft scheinen oder sich doch lieber hinter grauen, tiefen und drückenden Wolken verstecken soll.
Kalt ist es geworden, kalt wie im tiefsten deutschen Winter. Bis -14 Grad sind wir schon auf dem Thermometer nach unten gesackt und das ist erst der Anfang.
Mir bleibt nichts anderes übrig, als durch den Kälteanpassungsprozess tapfer hindurchzuschreiten. Allerdings hätte ich nicht für möglich gehalten, dass es so viel anstrengender ist als ich zu Beginn dachte. Es ist nicht mal die Kälte, die vor der Tür auf einen wartet. Vielmehr sind es die Lagen an Kleidung, die man sich minutenlang überziehen muss. Mit jeder Lage werden die Arme natürlich unbeweglicher und am Ende des Anziehens ist es oft kein Wunder, dass man den Reißverschluss des Wintermantels nicht mehr schließen kann. Doch sobald man dann den ersten Schritt in den eisigen Wind wagt, merkt man schnell, dass die Mühen nicht umsonst waren.
Ich bin zurzeit viel in Cafés in der Nachbarschaft, mit einer Tasse Tee und einem der zahllosen Romane für mein Seminar und lasse mein erstes Semester hier langsam ausklingen. In zwei Wochen beginnen dann meine Weihnachtsferien, zu deren Beginn ich direkt für 6 Tage nach Vancouver fliegen werde.
Dann ist auch schon Weihnachten, dann Neujahr und dann wird es Zeit für meine erste Besucherin aus Deutschland!

Und in den letzten Tagen und Wochen?
Mein Leben läuft in sehr alltäglichen Bahnen ab. Meine Uni-Arbeit ist immer noch ok, wobei ich natürlich mehr tun könnte, wie immer. Aber bisher hinke ich nirgends hinterher und werde auch immer pünktlich mit meinen Assignments fertig. Viel Inspiration für kreative eigene Werke hatte ich leider noch nicht, was ich allerdings auch auf mein Umfeld zurückführe. In einer WG mit viel Publikumsverkehr lässt es sich nur schwer fokussieren und auch in den Bibliotheken, in denen ich bisher war, ist von der respektvollen Stille, die ich aus den Bibliotheken zuhause kenne, nicht viel zu spüren. Vielleicht kommt die Inspiration ja aber noch in dem noch folgenden halben Jahr bis zu meiner Rückreise.
Das Leben außerhalb der Uni funktioniert weiterhin prima, abgesehen von horrenden Lebensmittelpreisen und mehreren missglückten Brotvariationen.
Und natürlich bin ich sowohl fasziniert als auch schockiert über die nicht enden wollende Weihnachtsdekowut, die in Kanada natürlich um einiges bunter und kitschiger ist als zuhause. Die Santa Clause Parade war übrigens schon am letzten Wochenende.... Bitte erwartet jedoch keine Geschenke von mir in diesem Jahr, so wie ich die Sache sehe, habe ich Weihnachten dank der Dekorationen schon Mitte Dezember über! :-)

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