Donnerstag, 19. Februar 2009

Library Notice

Auch im Auslandssemester kann man in Schwierigkeiten geraten, wie ich heute feststellen musste. Bisher ging ja immer alles glatt hier und ich konnte mich immer hinter dem Ausländerbonus verstecken und somit auch das ein oder andere kleine Problemchen überwinden, das für einen Einheimischen vielleicht etwas schwerwiegender gewesen wäre.
Allerdings zerstörte eine kurze e-mail, die mich heute Mittag erreichte, diese wohlgenährte Illusion. In ein, zwei Sätzen wurde ich schnippisch aufgefordert, so bald wie möglich zur größten Library auf dem Campus zu kommen und dort nach einer wichtigen Dame mit chinesischem Namen zu fragen. Der Grund: ich hätte angeblich ein Buch schwer beschädigt.
Es stimmt wohl, dass ich das Buch ausgeliehen hatte und natürlich kann nachvollzogen werden, dass ich diejenige war, die das Buch gestern Abend wieder in die Rückgabeklappe warf. Allerdings verstehe ich nicht, wie ich es geschafft haben soll, das Buch mit dünnen Bleistiftmarkierungen und einigen kleinen Kommentaren schwerwiegend beschädigt zu haben.
Ich gab das Buch (einen Gedichtband, den ich für ein Essay benutzte) zusammen mit einigen weiteren Büchern ab, die ich nachmittags schnell noch in meine Tasche gestopft hatte. Man will ja vor allem im unbekannten Ausland immer alle Fristen möglichst einhalten und vor allem auch so höflich sein und niemand anderem die Bücher vorenthalten. Dabei muss ich wohl einfach vergessen haben, meine Bleistiftmarkierungen wieder auszuradieren.

Ich könnte den schnippischen Ton der Bibliotheksangestellten durchaus verstehen, hätte ich, wie es in so vielen anderen Bücher bereits der Fall ist, entweder mit Textmarker wild umhergewutzt, mit dickem blauen Kuli die Hälfte aller Sätze im Buch unterstrichen oder Kaffee-, Pizza- oder Burgerflecke auf den Seiten verteilt. Was ich nicht getan habe. Ich habe entgegen meiner "Zerlese"- Angewohnheit nicht mal das Buch erst schön weit aufgeklappt, damit die Lesefalte auf dem Buchrücken auch zu sehen ist. Nicht mal das!

Also bin ich heute nicht in die Bib gefahren um mir meine Standpauke abzuholen. Stattdessen habe ich alle Bücher der UofM rausgesucht, die sich gerade in meinem Leihbesitz befinden und werde diejenigen Bücher morgen zur Bib tragen, in denen nebst allerlei Flecken auch dickste Markierungen aller Art zu finden sind. Und dann kann mir die freundliche Angestellte gerne sagen, wie schwer die Schäden sind, die ein weicher, dünner Bleistift auf Papier anrichten kann.

Fuck that!

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