Als Untertitel:
How to survive B. Street - eine Kurzgeschichte
Es war Winter in W.. Ein langer, kalter und windiger Winter, mit sich in der Luft spiegelnden Eiskristallen, sich auftürmenden Schneemassen und himmelschreienden Heizrechnungen von M. Hydro, dem ortsansässigen Energielieferanten.
Das weiße Holzhaus in der B. Street knarzte und beugte sich unter der Last des Schnees, dem Zerren des Windes und den Durchschnittstemperaturen von -25 Grad. Es war ein altes Haus, gebaut vor über 100 Jahren.
Um mehr Platz zu schaffen, wurde viele Jahre später ein kleiner Holzanbau hinzugefügt und, den Feuerschutzvorschriften folgend, mit einer Notausgangstür aus Stahl versehen.
Die Erbauer dieses Anbaus, so behaupten Legenden, waren Mitglieder eines nicht sehr intelligenten und vorausschauenden Primatenstammes, stolz darauf, ein paar Nägel und einen Hammer halten zu können. Von einem Fundament hatten sie weder von ihrem "Medizinmann" gehört noch gab es dazu eine DIY-TV-Doku-Soap. Die waren nämlich damals noch nicht erfunden.
Es dauerte nicht lange bis der Primatenstamm aus der B. Street zurück in den Dschungel zog und das Haus an die Wicked Witch of the North verkaufte. Die Wicked Witch übertrug ihrem Bruder, dem bösen Emperor Landlord, die Vollmacht und Verwaltung des Anwesens und befahl ihm, dort mit eiserner Hand zu regieren, Kosten und Mühen zu scheuen und weihte ihn zusätzlich in die Kunst der psychologischen Kriegsführung ein.
Lange Jahre beugten sich arme Bauersleute seiner Herrschaft, weil das Haus dank seiner zentralen Lage im Hot Spot von W. viele Tyranneien des Landlord aufwiegen konnte.
In besagtem Winter jedoch lehnte sich eine kleine Gruppe Bauern auf. Sie waren hart arbeitende, früh aufstehende und rechtschaffende Bürger, die ihre Miete rechtzeitig bezahlten und sich nicht beschwerten, dass Strom und Wasserversorgung nicht im Mietpreis einbegriffen waren. Das einzige, was sie verlangten, war ein Dach über ihrem Kopf und ein bisschen Wärme. Diese war ihnen jedoch durch die Schlampigkeit der Arbeit des Primatenstammes verwehrt: deren Anbau hatte sich nämlich so verzogen, dass der Holzrahmen um die Stahltür nun nicht mehr dicht mit der Stahltür abschloss und der kalte Präriewind ungehindert durch die fingerdicken Spalten ins Haus wehen konnte.
Emperor Landlord ignorierte ihre Gesuche nach Verhandlungen zur Beseitigung dieses Missstandes. Doch als die Stimmen der Bauern lauter wurden anstatt zu versiegen, entschloss er sich, mit einer ganzen Armee seiner unfähigen Handwerker und mithilfe seiner Arroganz in den Krieg gegen sein Mietervolk zu ziehen. Er versuchte den Bauern einzureden, dass die Windstöße nichts anderes als Phantasiegespinnste seien, dass es nicht kalt sei im Treppenhaus und dass er seine eigene Atemluft nicht sehen könne, wenn er im Inneren des Hauses vor der Hintertür stehe.
Die Bauern waren zunächst verzweifelt, doch entschlossen sich in ihrer Not, alles zu riskieren und als letzten Ausweg kontinuierlichen Telefonterror auf die Notfallhotline des Emperors auszuüben. Doch Emperor Landlord ignorierte sie kaltherzig und der Wind fegte weiterhin Schnee durch die Türritzen ins Treppenhaus.
Schließlich ging einer der Bauern todesmutig und im Alleingang zum letztmöglichen Frontalangriff über und drohte dem Emperor mit einer Anklage beim Housingboard von W.
Landlord, der gerne den harten Kerl markierte, bekam es mit der Angst zu tun und auch die Wicked Witch riet ihm, sich den Bauern zumindest dem Anschein nach zu beugen. Gemeinsam tüftelten sie einen mörderischen Plan aus.
Einige Tage später klingelte es an der Tür der Bauern. Ein Angehöriger des Volkes der Electricians bat um Einlass. Er erklärte, er habe einen Wunderkasten dabei, der Wärme für das Treppenhaus bringe. "Ist es Isolationsmaterial für die Hintertür?" fragte einer der Bauern keck. Der Electrician, der Bob hieß, schnaubte nur wütend und begann, ungefragt Löcher in das Haus in der B.Street zu sägen, Kabel zu verlegen und eine Menge Dreck zu hinterlassen. Nachdem er wieder verschwunden war, staunten die Bauern nicht schlecht, als sie statt einer abgedichteten Tür einen Heizkörper sahen, der warme Luft ins Treppenhaus blies, die natürlich durch die Türspalten prompt ins Freie entwich!
Außer sich vor Zorn über so viel Dummheit und Blindheit schalteten die Bauern die Heizung aus und beschlossen, weiterhin für ihr Recht auf eine abgedichtete und isolierte Tür zu kämpfen.
Und wenn sie nicht erfroren sind, dann versuchen sie dies noch heute.
Freitag, 27. Februar 2009
Nightmare in B. Street
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