Sonntag, 5. Oktober 2008

How to..... in Winnipeg

Das Leben in Kanada ist anders. Aber nicht zu anders. Alles sieht anders aus. Aber im Grunde, und auch wenn das wohl die meisten Europäer nicht glauben oder auch nur hören wollen, sind uns die Kanadier nicht ganz unähnlich (ja, sogar trotz ihrer nicht im Überfluss vorhandenen Geschichte...).
Als Europäerin und Deutsche habe ich demnach sicher nur wenige Schwierigkeiten, mich in die kanadische Gesellschaft und den hiesigen "way of life" einzufinden, aber trotzdem gibt es natürlich eine ganze Reihe von Dingen, die verblüffend anders als in Deutschland sind. Und die will ich euch natürlich nicht vorenthalten.

Tägliche Bedürfnisse oder die Kunst, nicht den Überblick zu verlieren

Unterschiede beim täglichen Grocery-Shopping:
  • Früchte und Gemüse: es gibt Riesenpapayas (, die nach nichts schmecken...) und jede Menge anderes Obst und Gemüse, das ich entweder noch nie live gesehen, geschweigedenn gegessen habe oder eben nur höchst selten in speziellen Gemüseläden in Deutschland mal ein oder zwei Monate im Jahr sah, in Kanada das ganze Jahr hindurch. Und es gibt jede Menge Kartoffeln: rot, blau, klein, groß, riesig, noch riesiger usw. Und, oh ja, die wundervollen Süßkartoffeln in ganz ganz groß
  • Cereals: ist hier anscheinend der Überbegriff für Müsli und alle anderen Arten von Frühstücksflocken, sprich: alles, was man in Milch getränkt morgens zu sich nimmt. Es gibt alle Cereals in den Packungen, wie wir sie in Deutschland kennen, natürlich eine Nummer größer und in 2kg Säcken. Und Milch dann auch im 4L Kanister. Die Milch, die wir in der 2L Packung kauften (da merkt man dann, dass man als Deutscher fast schon Angst vor diesen riesigen Packungen hat) wurde übrigens auch nach Woche 3 noch nicht sauer...
  • Käse: Kannste knicken. Und den Käse, der schon schön in Scheiben daherkommt, kannste erst recht knicken. Käse gibts nur im Block, basta! Es gibt natürlich Gouda, Edamer und Mozzarella, allerdings ist der Standardkäse hier der knallorange Cheddar in 3 Altersstufen und der gute Monterrey-Jack, gerne mit Jalapeno-Stückchen gestreckt, damit er wenigstens nach ein bisschen was schmeckt. Für einen Block Käse muss man natürlich auch gut Geld bezahlen, stellenweise um die 8 Dollar! Deswegen wird zumindest in unserer WG damit höchst sparsam umgegangen.
  • Brot: habe ich aufgegeben...Ich backe nur noch selbst.
  • Margarine: Ich bin im Himmel! Die ist nämlich hier salzig und das ist der Standard! Wohooooo!
  • Salatkräuterfix: gibts leider nicht.... Spenden bitte an meine Winnipegger Adresse, danke!
  • Gemüsebrühe: gibts zwar auch von Knorr, allerdings ist das Pulver nicht schön gelblich, sondern weiß wie Mehl und schmeckt nach fadem Sellerie. Generell scheint man hier nicht gerne salzig zu essen und somit muss ich zumindest für die kommenden 8 Monate lernen, ohne mein Allheilmittel Gemüsebrühe (in jeglichem Essen) zurechtzukommen. Achja: Spenden (wie beispielsweise Brühwürfel..) gerne auch an meine Adresse. Bitte die Nummer des Apartments dazuschreiben!
  • Bio-Lebensmittel: heißen hier organic
  • Klopapier: NUR einlagig!
Shopping in Winnipeg:
  • Der nächste H&M ist in Calgary (etwa 12 Stunden Fahrtzeit)
  • Der nächste IKEA Markt ist in Minneapolis (etwa 8h)
  • Downtown und seine Geschäfte sind samstags und sonntags tot, eingekauft wird in den großen Shoppingmalls am Stadtrand
  • PS: ich habe noch keinen richtig guten Plattenladen entdeckt, der sowohl Second Hand Platten als auch neue Alben hat. Schade!

Benimm dich in Winnipeg
  • Sag immer einmal mehr danke als du es in Deutschland tun würdest. Und wenn du mal in einer Situation bist, in der du dich normalerweise nicht bedanken würdest, sag zwei Mal öfter danke als zuhause.
  • Gib immer brav Antwort, wenn dich jemand fragt, wie es dir geht (was immer passiert), auch wenn du diese Person noch nie gesehen hast. Frag auch immer zurück und verabschiede dich immer mit einem "Have a nice day" oder "Take care" oder beidem zusammen.
  • Wenn du mal in Winnipeg Bus fahren willst, dann erschrecke nicht, wenn du nicht sofort verstehst, wo du aussteigen musst. Glaub mir, auch wenn alle anderen so aussehen, als wüssten sie, wo ihre Haltestelle ist, gibt es doch immer mindestens einen, der falsch aussteigt oder verloren im Bus umherirrt. Gehe in solchen Fällen zum Busfahrer, der dir in aller Regel sehr freundlich erklären wird, wo du aussteigen musst und welche Busse du danach nehmen kannst, solltest du umsteigen müssen. Und das ist KEIN WITZ!
  • Ach übrigens: Bedanke dich vorm Aussteigen beim Busfahrer und verabschiede dich erneut mit einem möglichst fröhlichen "have a nice day".
  • Und noch was zu Bussen: Wenn du willst, dass der Bus an der nächsten Haltestelle stehen bleibt, ziehe an der gelben Schnur, ein Stop-Knöpfchen gibt es nicht. Und wenn du die hintere Bustür öffnen willst, drücke auf die gelben Bänder an der Bustür. Vielleicht hast du Glück und die Tür geht auf. Bedank dich aber trotzdem beim Fahrer.
  • Wenn du bei Starbucks einen Kaffee bestellst, gib vorher an, welche Größe du haben willst, wenn du nicht alles wiederholen willst. Und bestell niemals einen Makronenkuchen, wenn du nicht an einem Zuckerschock sterben willst. Aber setz dich jederzeit zum Lernen stundenlang an einen gemütlichen Ecktisch. Solltest du eine Starbucks Membershipcard besitzen, bekommst du sogar kostenlose Refills in deinen Kaffeebecher. Und denk dran, immer schon "thank you SO MUCH" zu hauchen.
  • Wenn du gerne Punkte sammelst, bist du hier genau richtig. Du kannst hier für absolut alles eine Mitgliedskarte bekommen, mit der du entweder Punkte sammeln kannst oder Rabatt auf jeden Einkauf bekommst. Alles, was sie von dir brauchen, ist dein komplettes Kundenprofil. Am besten, du überlegst dir eine Fake-Adresse, damit du wirklich nur die Vorteile der Millionen Karten genießen kannst (sprich: wirklich irre Rabatte!!!!)
  • Wenn du mit einem Kanadier trinken gehst, beschwere dich nicht, dass er nicht wartet, bis du deinen Wein oder dein Bier oder auch dein Essen hast, sondern direkt anfängt, seinen Teller zu beackern oder sein Glas auszutrinken. Man stößt hier nicht wirklich an.
  • Sei nicht böse, wenn die Handwerker sich wochenlang Zeit lassen, bis sie mal den Filter an der Heizung und den kompletten rumpelnden Kamin durchgecheckt haben. Und beschwer dich nicht deswegen direkt beim Vermieter, auch wenn du schon mehr als zwei Wochen wegen des Gebrumms nicht mehr gut schlafen kannst. Und beschwer dich erst recht nicht, wenn es eines Morgens an der Tür klingelt, ein altes Männlein in deine Wohnung tritt und sagt: "It's the plumber, I'm gonna fix your furnace." (Hier ist der Klempner, ich repariere Ihren Kamin.) Denk nicht mal weiter darüber nach!

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hi Cat,

da der Import von Lebensmitteln über den großen Teich nicht so unkompliziert ist, wird es eventuell schwer, dir Suppenbrühe oder Salatfix zuzuschicken, aber vielleicht traut sich ja jemand...

Es überrascht mich kein Bisschen, dass das Bild der Kanadier, das du hier vermittelst, doch sehr US-amerikanisch anmutet. Dann bin ich für mein Jahr drüben ja bestens vorbereitet! Wobei ich mit Sicherheit irgendwann auf die übertriebene Menge an Pleases und Thank Yous verzichten werde - garantiert.

Anonym hat gesagt…

hihihi, oh dear, das kommt mir ja alles äußerst bekannt vor ;-) ! Heute Mittag gibt es Kartoffelgratin, Knorr Packugen sind bei mir dank Andi angekommen und ich schwimme in Buchstabensuppe ;-) da merkt man erst wie sehr knorr und co meine geschmacksnerven versaut haben hihi! Aber es is geil!

Anonym hat gesagt…

Das meiste kommt mir doch von der anderen Seite der Grenze recht bekannt vor.

Das mit dem Nicht-Anstoßen, das nicht verhandene Brot, die übertriebene Freundlichkeit, die Busfahrten, das Klopapier...

Man gewöhnt sich dran ;-)

ps. Was brauchste denn ausm Ikea? ;-)