Sonntag, 26. Oktober 2008

Vielevieleneuefotos!

Heute ist wie Weihnachten, denn: es gibt nicht nur viele neue Bilder für euch, sondern auch ein paar neue Geschichten! (Bilder von Luftsprüngen angesichts dieser Meldung könnt ihr gerne per e-mail an mich schicken! :-))

1. Margaret Atwood

Die Dame dürfte wohl jedem Anglistikstudenten und Literaturbegeisterten ein Begriff sein: Margaret Atwood ist zweifelsfrei eine der bedeutendsten kontemporären Schriftstellerinnen Kanadas. Ihre Berühmtheit verdankt sie nicht nur ihren Romanen (sehr berühmt: A Handmaid's Tale), sondern auch ihrem politischen Engagement und ihren Sachbüchern. Am Freitag, den 17.10.2008 kam ich in den Genuss einer ihrer größeren Lesungen. Margaret Atwood ist derzeit im Rahmen der Massey Lectures in ganz Kanada unterwegs. Die Massey Lectures sind das alljährliche Highlight der akademischen "Szene" Kanadas. Sie werden von einer kanadischen Uni organisiert und jedes Jahr von einem anderen intellektuellen Promi gehalten. In den 5 größten kanadischen Städten (wobei ich mich hier wundere, wieso Winnipeg eine der Stationen ist...) referierte Frau Atwood in diesem Jahr zum Thema Schulden. Ihr zweistündiger Vortrag in Winnipeg befasste sich mit dem Thema Schulden und Plot, d.h. sie sprach von Schulden als Thema der Literatur des 19. Jahrhunderts. Mich hat der Vortrag über die Maßen begeistert, obwohl ich anfangs zugegebermaßen mit der Monotonie ihrer Stimme zu kämpfen hatte. Trotz ihres Alters ist Margaret Atwood keineswegs die zerbrechliche Person, die sie ihrem Aussehen nach zu sein scheint. Ihr Humor ist sarkastisch, sehr intelligent und beißend und ihre Thesen und Argumentation erscheinen wie das natürlichste auf der Welt, obwohl sie Schlüsse zieht, über die ich erstmal 20 Minuten nachdenken musste und danach immer noch nicht begreifen konnte, wie man von alleine auf so etwas kommen kann. Nach dem Vortrag gab es noch eine kleine Autogrammrunde um Foyer sowie Kaffee und Kalorien für die ausgerauchten Gehirne der Zuhörer.

2. Social

Ein Social ist wirklich DIE charakteristische Veranstaltung für Manitoba. In keiner anderen Provinz des Landes kennt man dieses Prinzip des Feierns. Dabei ist es ganz einfach und auch eine sehr gute Idee:
Ein Social ist eine Art Fundraising, zu deutsch: Spendensammlung. Gespendet wird bei diesen Socials hauptsächlich für private Zwecke. Die meisten Socials werden von Paaren organisiert, die planen zu heiraten. Typischerweise läuft das Ganze dann so ab: etwa ein halbes Jahr vor der Hochzeit wird dafür gesorgt, dass das Wort vom Social des betreffenden Paares die Runde macht. Dann wird eine größere Halle gemietet, werden DJs organisiert, Getränke und Essen geplant, Preise für die Gewinnspiele gekauft oder zusammengesammelt, Eintrittskarten gedruckt und schließlich wird nochmal offiziell eingeladen. Am Abend des Socials kaufen die Gäste Eintrittskarten an der Kasse (beispielsweise 10 Dollar), Tickets für die verschiedenen Gewinnspiele oder Märkchen für alkoholische Getränke. Es wird getanzt, getrunken und ab Mitternacht gibt es dann meistens Sandwiches. Wenn das Social gut durchgeplant wurde, bleiben am Ende bis zu 8000 Dollar für die Gastgeber und ihre Hochzeit oder die Flitterwochen übrig.
Gestern Abend fuhr ich mit meiner Mitbewohnerin Rachelle, den beiden französischen Sprachassistentinnen und Rachelles Freunden zu einem dieser Socials. Organisiert wurde es von Rachelles Cousine für deren Hochzeit. Ich nehme an, dass ca. 300 Leute dort waren. Die meisten (darunter auch wir) waren dem Partymotto gefolgt und hatten sich im Stil der 80er Jahre verkleidet. Ich will nicht weiter erzählen, was ich getragen habe... Aber es gab immer Leute, die schlimmer aussahen!


3. Fotos:

Zunächst ein kleiner Nachtrag zu meinem Geburtstag: mein Stück Monsterzimttorte:


Am Mittwoch feierten wir dann alle zusammen Claras Geburtstag in einer Bar unweit unseres Hauses: (irgendwie ist die Männerquote immer recht gering...)
Nun zu etwas ganz anderem: Schon vor einigen Wochen habe ich auf einem Spaziergang ins französische Viertel St. Boniface die folgenden Schwarzweißaufnahmen gemacht, die ich schon längst mal bloggen wollte:

Blick auf die Skyline des Exchange Districts in Winnipeg (- der Fluss ist der Red River):


Die Kathedrale von St. Boniface, bzw. das, was nach einem Brand derselben noch übrig blieb. Das Kirchenschiff war nach dem Brand zu nichts mehr zu gebrauchen, also baute man hinter diese Fassade eine neue Kirche. Die ist allerdings wesentlich kleiner und sehr unschön in schlichtestem Holz erbaut und erinnert an Kirchen evangelischer Splittergemeinden in Deutschland.


Da bald Halloween ist, dachte ich, dass ein paar Bilder von Friedhöfen an dieser Stelle ganz angebracht sein könnten: Der Friedhof um St. Boniface:


und nochmal:

Ein weiterer Blick auf die Fassade von St. Boniface:


Dieses Bild hat keinen wirklichen Sinn, aber mir gefällts so gut:


Last but not least: endlich mal ein Bild meines Kellerzimmers, das ich nach nunmehr zwei Monaten halbwegs präsentabel finde:


Das wars dann auch wieder fürs Erste. Den nächsten Eintrag gibt es dann wahrscheinlich erst nach Halloween, dann aber hoffentlich mit einigen netten Gruselbildchen....
Zuvor perfektioniere ich noch mein diabolisches Grinsen.



5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Okay, 1.: SW-Fotos: großartig. Und ich hab quasi genau so eins wie das mit der Straßenlaterne aus dem St. James's Park in London (kennst Du ja sicher noch). Ich mag die Friedhofsbilder sehr, aber Favorit ist definitiv der Blick auf diesen Exchange District. Das ist gaaaaanz großes Kino!! :o) Und die Straßenlaternen, die die da haben sind superschön!!
2. die Zimt-Torte: die sieht mehr als toll aus!!! Die war bestimmt himmlisch!! War die in einem Café bestellt oder hat die Dir jemand gebacken? Oder Du Dir selbst gebacken?
3. ein dicker Schmatz von der Siggi, die jetzt schon ihren Schultag hinter sich hat! :o)

Anonym hat gesagt…

Dein Zimmer gefällt mir, besonders die Fleckendecke.
Mich würde interessieren, wie dein Spruch an der Wand im Ganzen geht.

Und auf dein diabolisches Grinsen bin ich auch mal gespannt ;-)

Einen lieben Knuddler schicke ich!

Anonym hat gesagt…

Sehr geehrte Frau Petry, kann es sein, dass Sie hinten links in der Ecke in ihrem Regal einen pink gestreiften Ordner stehen haben, den es bei WHSmith zu kaufen gibt? Falls dies der Fall ist, lassen Sie sich ausrichten, dass eine gewisse J.B. den gleichen Ordner in ihrer englischen Residenz hat.

Hochachtungsvoll, ihre Zimmerbewundererin!

Green-Cat hat gesagt…

:-)

1) Die Zimttorte wurde in diesem Café bestellt, in dem wir an meinem Geburtstag waren. Und das Stücl ist noch eins der kleinsten und alleine fast unessbar!

2) Hehe, ja, die Leopardendecke ist ein Überbleibsel aus der Zeit von Elas Großmutter.. Aber sie ist super weich und warm. Den Spruch habe ich aus Jeanette Winterson's Sexing the Cherry: We are fallen creatures who once knew how to fly. Auch wenn er irgendwie melancholisch ist, mag ich den Spruch!

3) Neeee, das is kein Ordner, das is die Schachtel meines Blowdryers, die ich mit Papier umwickelt hab, damit sie wie eine Aufbawahrungsbox aussieht. :-) Und sie ist rot/weiß, nicht pink/weiß. *gg* Pink...also echt!

Anonym hat gesagt…

der spruch ist einfach toll!