Beziehungsweise nicht viel. Aber dazu gleich mehr.
Doch zunächst: wie waren die letzten paar Tage? Ich würde sagen, sie hätten ein wenig arbeitsintensiver sein können. An Uni-Arbeit hat es nicht gemangelt, dafür allerdings an Motivation und hier insbesondere, wie könnte es auch anders sein, für die schier endlosen Politiktexte. Noch nicht mal der Geist ist willig, sonst hätte ich an dieser Stelle das altbekannte Sprichwort einfügen können. Dafür steht jetzt nur noch eine von 12 Kurzgeschichten aus, die ich mir in den vergangenen beiden Wochen wirklich mit größter Mühe durchgelesen habe. Sinclair Ross mag wohl ein wirklich einflussreicher Prärieschriftsteller seiner Zeit gewesen sein, aber genau da liegt auch das Problem: seiner Zeit - meine Zeit ist anders, zu anders, bzw. bin vielleicht ich einfach zu anders, jedenfalls gefiel mir die Sammlung seiner Short Stories nicht.
Meine eigene Short Story (habe mich übrigens entschlossen, meinen Hauptcharakter Josh zu nennen und nicht Jeff..) hat mich auch gut auf Trab gehalten, ist aber Gott sei Dank fertig zur ersten Abgabe. Die Geschichte an sich ist noch nicht fertig, aber die ersten drei Seiten sind geschrieben und was kann ich euch sagen: es ist so viel schwieriger, Prosatexte in der Fremdsprache zu schreiben als akademische Texte. Das wusste ich zwar vorher schon, aber es war trotzdem mal wieder ein wundervoller Schlag ins Gesicht. Gut ist die Geschichte natürlich nicht, ich bin auch alles andere als ein fortgeschrittener Schreiber, aber man ist ja lernfähig. Mal sehen, was David Arnason davon hält.
Was meine Freizeitaktivitäten anbelangt, gabs in den vergangenen Tagen einige verbale Interaktion, teils philosophischer, teils politischer Natur zwischen Wien und Winnipeg, dazu einige kreative Ideen, weitere kreative Ideen zur Spinnenbeseitigung (mein Highlight: eine sich direkt vor meiner Nase abseilende schwarze Riesenspinne und mein erster Beinahe-Herzinfarkt), die Entdeckung meiner Lieblingskaffeesorte bei Starbucks sowie eine erste kleine WG Party in unserem Apartment. Eingeladen waren die Mädels von obendrüber, dazu diverse Freunde beider Parteien und die zwei französischen Sprachassistentinnen, die nicht im Haus leben. Auf dem Bild hier seht ihr außer mir noch Clara, eine der beiden Assistentinnen, mit der ich zwei bis drei Mal pro Woche tapfer ins Fitnessstudio gehe.
Es gab Wein aus Plastikkanistern, was gar nicht mal so schlimm war und vergleichsweise günstig (nur für die Relationen: eine Flasche Kalua kostet 53$, kein Witz!), zu viele Chips und Shisha. Viele Leute hier glauben, dass Shisha rauchen direkt was mit Drogenmissbrauch zu tun hat...tz...Drogenmissbrauch fand allerdings trotzdem statt: einen kleinen Rotweinkater hatte ich am nächsten Morgen. Dafür gabs dann das volle Sportprogramm morgens um 10 und abends nur einen Kinobesuch. Sehr zu empfehlen: Burn after Reading, der neuste Film der Coen Brothers.
Sonntag kam Hughie spontan vorbei und nahm mich auf einen, wie er sagte, "little walk" (kleiner Spaziergang) mit, der volle 4 Stunden dauerte und mich zum ersten Mal ins französische Viertel von Winnipeg und in einen wunderschönen Park entlang des Red River führte. Leider vergaß ich meine Kamera, deswegen gibts später erst Bilder aus St. Boniface (Name des Viertels).
Montag begann mit einem weiteren kleinen Highlight, diesmal allerdings nicht achtbeiniger, sondern schlichtweg positiver Natur: Robert Kroetsch kam in mein Literaturseminar und stellte sich unseren neugierigen Fragen. Er schreckte nicht mal vor den persönlicheren Fragen zurück und war ein unterhaltsamer und humorvoller Gast, der mit über 80 Jahren eine bewundernswerte geistige Verfassung hat. Am Ende der Stunde kam er dann noch zu mir an den Platz und schüttelte mir die Hand und meinte: "Good to see you again" (typisch kanadisch, aber trotzdem irgendwie eine Ehre) und als ich ihn dann draußen noch im Flur antraf, blieben wir noch auf ein Schwätzchen stehen. Ein sehr netter Mann! Und irgendwie fällt es mir immer noch schwer zu glauben, dass er es war, der einige der coolsten Bücher geschrieben hat, die ich bisher gelesen habe. Das ist er übrigens:
Das da ist Dennis Cooley. Es gibt nicht wirklich viele aktuelle Bilder von ihm, die im Netz frei zugänglich sind. Denkt euch den Bart weg, das kommt dann ungefähr hin. Er sieht ein bisschen älter aus...Wo sind nun die Brötchen? Die Gemeinsamkeit von Kroetsch und den Brötchen liegt ganz einfach im heutigen Tag. Heute Nachmittag fand mein zweiter Backversuch statt. Das Resultat nach dem ersten Versuch war ein bisschen zu viel Mehlgeschmack und zu wenig Salz. Aber die Brötchen heute waren fast perfekt: lockere Konsistenz, harte Kruste, richtige Farbe und es fehlt nur noch ein kleines bisschen Salz. Und das alles ohne jegliches Abwiegen! Meine Omas wären stolz auf mich!
Nun ist es halb elf und ich werde den Abend mit ein wenig dichterischer Arbeit beschließen müssen. Am Mittwoch ist noch eine weitere Abgabe für mein Creative Writing Seminar und bisher habe ich noch nicht viel zu Papier gebracht.
Einen verfrühten Guten-Morgen-Gruß nach Deutschland gibts zum Abschied aus Winnipeg!

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