Donnerstag, 25. September 2008

Erster Monat!

Einen Monat bin ich nun schon hier! Wer hätte gedacht, dass die Zeit so schnell vergeht... Ich ganz sicher nicht, zumindest nicht in den ersten Stunden nach meiner Landung.
Zusammenfassend und wie ihr sicherlich meinen letzten Blogeinträgen entnommen habt, waren die vergangenen Wochen wirklich wunderbar und aufregend. Und eigentlich gibt es immer so viel mehr zu berichten als ich dann letztendlich auf meinem Blog ausführe. Allerdings schreibe ich mir nie meine Gedanken sofort auf und vergesse dann die Hälfte wieder. Deswegen gibts die euch lange vorenthaltenen Informationen nun direkt am Anfang:
Winnipeg hat, wie ich aus unterschiedlichen Quellen erfahren habe, die größte pro-Kopf Restaurantdichte ganz Kanadas. Leider war ich erst in dreien oder vieren davon. Geplant ist für die kommenden Wochen aber noch das Lunchbuffet beim angeblich besten Thailänder der Stadt sowie karibisches Take-Away-Essen und diverse Sushibars.
Zur Feier des Monatstages besorgte ich mir zusammen mit meinen Mitbewohnerinnen die ein oder andere Flasche Wein. Wie ihr sicherlich wisst, darf man in Kanada (wie auch in den USA) Alkohol nicht auf offener Straße konsummieren und diesen auch nur in speziellen Geschäften, den Liquor Marts oder Beer Stores kaufen. Ein bisschen kommt man sich schon wie ein Süchti vor, wenn man etwa eine halbe Stunde durch ein Geschäft streift, in dem es wirklich NUR Alkohol gibt. Hält man dann am Ende noch die braune Papiertüte in Händen, fühlt man sich wirklich wie im Film. Wir kauften einen Moselriesling, halbtrocken, für etwa 11 Dollar. Eigentlich wollte ich ja die Flasche direkt daneben kaufen, ratet mal, was das für ein schönes Weinchen war: der gute alte Ayler-Kupp (!!!!!), lieblich oder halbtrocken. Heimatgefühl gratis dazu, allerdings kostete der schlappe 20 Dollar, weswegen wir ihn dann doch nicht mitnahmen. Aber zu meinem Geburtstag werde ich mir dann doch wohl eine Flasche davon eintrichtern.
Und vielleicht zu Halloween dann die nächste...
Halloween ist ja bekanntlich am 31. Oktober. Ein weiterer kanadischer Feiertag im Oktober ist Thanksgiving, was in den USA erst Ende November gefeiert wird. Bei uns hier ist es in etwa 3 Wochen soweit (13. Oktober) und es wird einen fetten Truthahn geben, mit allem drum und dran. Ich habe mich entschlossen, einen Pumpkinpie zu machen. Wünscht mir Glück!

Während meines ersten Monats hätte auch das Wetter nicht besser sein können. Fast jeden Tag Sonnenschein und keine drückende Hitze, sondern immer ein mehr oder weniger starker Wind. Allerdings habe ich den Eindruck, dass das schöne Wetter sich auch bald verabschieden wird und so ging ich heute Morgen....
...natürlich diesem tollen Motto Folge leistend, in aller Ruhe auf einen langen Spaziergang.

Dieser führte mich zunächst zur Osborne Street, die ihr auf obigem und unterem Bild sehen könnt.




Die Brücke im Hintergrund (Osborne Bridge) führte mich sicher über den Assiniboine River direkt auf den malerischen Riverwalk, auf dem sich zu dieser relativ frühen Morgenstunde nur ein paar wenige Touristen, Jogger und Angler aufhielten. Die Hochhäuser auf dem Bild sind übrigens sozusagen der "Eingang" von Osborne Village.

Gleich zu Beginn des River Walks wird man von Louis Riel empfangen, über den ich vor kurzem schonmal bloggte (- ihr wisst schon, der berühmteste Métis, der für die Souveränität seines Volkes kämpfte und in einer blutigen Schlacht unweit der Mündung von Red River und Assiniboine River sein Leben verlor-). Im Hintergrund des Bildes übrigens das Legislative Building.

Läuft man den River Walk weiter entlang, kommt man irgendwann zum historischen Freizeitpark "The Forks". Hier, und das seht ihr auf obigem Bild, fließen Red River und Assiniboine River zusammen. Von rechts kommt der Assiniboine River und etwas weiter links von der Eisenbahnbrücke greift ihn der Red River in Nord-Süd-Richtung auf. Man erkennt übrigens an den Blättern, dass es wirklich langsam Herbst wird.
In der Gegend um Winnipeg fand man übrigens die Überreste von Mammuts und anderen Dinosauriern. Später grasten hier gigantische Büffelherden.
Die Hudson Bay Company, die das Biberpelzhandelsmonopol der britischen Krone innehatte, etablierte übrigens recht früh eine Art "Zweigstelle" in Winnipeg. Auch heute gibt es die Hudson Bay Company noch, allerdings führt man dort mittlerweile allerhand anderer Waren, die in den berühmten The Bay Kaufhäusern in ganz Kanada verkauft werden. (Bild wird nachgereicht)
Vor einigen Jahren gab es einen großen Markt auf dem Gelände von The Forks. Eher für Touristen gibt es auch heute noch die Markthalle (The Forks Market), in der sich Lebensmittelhändler, Delikatessenhändler, Souvenirshops und Takeaways aneinanderreihen. Alles ist natürlich schön bunt und irgendwie niedlich charmant aufgepeppt.

Von The Forks führte mich mein Weg in Richtung Downtown. Was ihr im Hintergrund des obigen Bildes sehen könnt, sind die Hochhäuser des Exchange Districts, das Finanz- und Kulturzentrum Winnipegs. Thin Air ist übrigens der Name des Winnipeg Writers' Festival.


Etwas weiter südlich vom Exchange District in Downtown befindet sich das Fort Garry Hotel, das um 1912 von einer nordamerikanischen Eisenbahngesellschaft gebaut wurde. Es zählt zu den absoluten Luxushotels der Stadt. Mir wurde gesagt, es spuke darin. Ich werde es nie persönlich herausfinden können, leider. :-) Im Hintergrund übrigens ein wirklich großer Häuserkomplex, auf dessen Dach sich ein rotierendes Restaurant befindet, in dem es wunderbare Desserts geben soll.
Das war dann auch schon mein kleiner Spaziergang heute Morgen, der mich schlappe 2 Stunden auf Trab hielt. In Winnipeg mag zwar jeder jeden kennen (dazu auch bald nochmal mehr), aber die Wege sind trotzdem verhältnismäßig lang für deutsche Kleinstadtknochen.
Am 14. Oktober sind in Kanada vorgezogene Parlamentswahlen. Stephen Harper, derzeit Premierminister von Kanada, rief die Neuwahlen aus, da er und sein Kabinett schwer an Glaubhaftigkeit eingebüßt hatten.
Da man in Europa wirklich nie etwas von kanadischer Politik mitbekommt, kriegt ihr jetzt zur Allgemeinbildung noch eine kleine Übersicht über die wichtigsten Parteien Kanadas:
Das Rennen um die Regierungsmehrheit findet zwischen der NDP (new democratic party), den Liberals und den Conservatives (Stephen Harpers Partei) statt. Ich werde euch aber bei Gelegenheit noch etwas genauer berichten, wie das hier in Kanada im Vergleich zu Deutschland mit dem Wahlsystem funktioniert.


Und noch eine Sache: auch hier ist ein Trend zu beobachten, den wir in Deutschland auch haben: Wählerverdruss. Scheinbar ist die Teilnahme an Wahlen so wahnsinnig gering geworden, dass sogar Gerüchte laut wurden, potenzielle Wähler mit der Aussicht auf monetäre Belohnung zu den Kabinen zu locken. Ich weiß nicht 100%ig, was davon wahr ist, aber diesen witzigen Sketch fand ich in einer Winnipegger Zeitung:Bin gespannt, wie sich das Ganze entwickelt!

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